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AUSGESTELLT! 7

Museum und Sammlung 15. Februar 2024
Foto: Ulrike Pinkas
2024-04-25

Hier steht eine Geschichte: Alte Meierei

Wo sich seit Frühjahr 2023 Verwaltungsräume der Domäne Dahlem befinden, wurde lange Zeit die Domänen-Milch hergestellt. Fast 100 Jahre lang (1883-1976) war die Domäne Dahlem hauptsächlich ein Milchbetrieb. Das Produkt Milch wurde zu ihrem Markenzeichen. In den Hochphasen lebten rund 300 Rinder auf dem Hof.

Milch für Berlin
Schon seit 1883 hatte sich die Domäne Dahlem zunehmend als Milchbetrieb etabliert. Sie versorgte Berlins Bevölkerung mit Milch, Sahne und Butter, zeitweise sogar bis nach Spandau und Neukölln. Bis 1973 fuhren Milchkutschen die Produkte aus. Der persönliche Kontakt zu den Milchkutschern und zu den Pferden machte die Milchkutschen bei den Kund:innen sehr beliebt. Ebenso Fahrräder wurden für die nähere Nachbarschaft eingesetzt. Ab den 1950er Jahren wurde auch per Auto ausgeliefert.

Foto: Dennis Novak

Ein modernes Gebäude für die Domäne Dahlem und ihre Milchkühe
Im Zuge einer umfassenden Modernisierung der Städtischen Domäne Dahlem nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1953 die Meierei in T-Form sowie zugehöriger Rinderstall und zwei Kraftfuttersilos erbaut. Zuvor hatte hier über ein Jahrhundert eine große Scheune (datiert auf 1852) gestanden, sie war im Krieg stark beschädigt worden und musste für den Neubau weichen. Der Rinderstall wurde teilweise auf den Grundmauern der großen Scheune errichtet.

Die Meierei kurz vor ihrer Fertigstellung im Jahre 1953. Foto: Stiftung Domäne Dahlem – Landgut und Museum

Rohe Milch, streng kontrolliert
Die in den 1950ern noch „neue“ Meierei war mit ihrem eigenen Laborraum und modernen Maschinen für den Vorzugsmilchbetrieb eingerichtet. Bei Vorzugsmilch handelt es sich um Rohmilch. Diese muss unter Einhaltung besonders strenger Hygieneregeln hergestellt werden und kommt ohne weitere Behandlung gekühlt in den Handel. In der Meierei wurde sie fortan abgefüllt und direkt für den Transport in die Milchkutschen geladen. Die hohen Hygieneanforderungen erforderten eine räumliche Trennung vom regulären Melkbetrieb. Vorzugsmilch-Kühe wurden täglich gewaschen, der gesamte Stall desinfiziert und die Milch zweimal wöchentlich vom Veterinäramt kontrolliert.

Die Domäne Dahlem begann spätestens 1940 mit der Produktion von Vorzugsmilch. Während andere Milchbetriebe nach Ausbruch des Zweiten Krieges (1939-1945) geschlossen wurden, durfte die Domäne Dahlem weiterproduzieren. Nach dem Krieg rühmte sich die Domäne Dahlem weiterhin mit dem Prädikat der „Vorzugsmilch“, wobei der Zusammenhang zur NS-Zeit außer Acht gelassen wurde. Zu diesem Themenkomplex sind tiefergehende Studien erforderlich.

Foto: Stiftung Domäne Dahlem – Landgut und Museum

Vom Milchbetrieb zum Freilichtmuseum
1976 wurden die letzten Stadtgüter Berlins, die Domäne Dahlem und Gut Marienfelde, geschlossen. Der Milchbetrieb wurde eingestellt, die Tiere wurden verkauft oder zogen um. Die Stadt und ihr Konsumverhalten hatten sich in 100 Jahren sehr verändert. Landwirtschaftliche Betriebe etablierten sich im Umland, die preisgünstiger und massenweise produzierten. Der Erhalt der Stadtgüter war unrentabel geworden und Reservehaltung für einen Kriegsfall schien nicht mehr dringend. Das Gelände und die landwirtschaftliche Fläche der Domäne Dahlem sollte bebaut werden. Mit Gründung des Vereins „Freunde der Domäne Dahlem“ schon im Oktober 1976 und ihrem die nächsten Jahre unermüdlichem Einsatz wurde die Domäne Dahlem als Kultur- und Erinnerungsort sowie seine Kerngebäude erhalten. Das Projekt des Freilichtmuseums Domäne Dahlem startete!

Mehr Informationen zur aktuellen Ausstellung:

Sammlung Domäne Dahlem. Geschichten und Objekte

07.07.2023 – 04.08.2024

MUSEUM IM HERRENHAUS

MI-SO, 10:00 – 17:00 UHR