Lange Zeit war das markante Taubenhaus der Domäne Dahlem nicht zu sehen. Seit März steht es wieder auf seinem angestammten Platz vor dem Herrenhaus und wurde von den ersten gefiederten Bewohnern bereits angenommen.
Dass die Vogelwelt die Rückkehr des Hauses bemerkt, hat nicht lang gedauert. Schon kurze Zeit nach der Wiederaufstellung zog ein Starenpaar ein. Mit Erfolg: Die Tiere nutzten das Haus zur Brut und zogen im Dachgeschoss dort ihren Nachwuchs groß. Die Fotos aus dem Frühsommer zeigen einen Star mit Futter im Schnabel auf dem Dach des Hauses, während ein Jungvogel aus der Einflugöffnung hervorschaut – ein schöner Beleg dafür, wie schnell das restaurierte Vogelhaus angenommen wurde.


Bei der Restaurierung durch unseren Restaurator Ingo Eggert wurden auch die ursprünglichen Einflugöffnungen angepasst. Die Veränderungen sind bewusst sichtbar geblieben: Die neuen Einsätze aus hellem Holz bilden einen deutlichen Kontrast zum charakteristischen karminroten Anstrich des Hauses. So lässt sich die Weiterentwicklung des historischen Vogelhauses auf den ersten Blick erkennen.
Der Name „Taubenhaus“ verweist auf eine frühere Nutzung. Solche Bauten waren nicht nur auf Bauernhöfen anzutreffen, sondern auch in städtischen Hinterhöfen. Die Haltung von Tauben war über Jahrhunderte hinweg weit verbreitet, da die Tiere Fleisch, Eier und wertvollen Dünger lieferten. Auch wenn es traditionell als „Taubenhaus“ bezeichnet wird, richtet sich sein heutiger Zweck vor allem an kleinere Vogelarten. Insbesondere der Haussperling, vielen besser als Spatz bekannt, soll hier geeignete Nistmöglichkeiten finden. Das ist wichtig, denn die Bestände des Haussperlings gehen seit Jahren zurück. Dieser Trend ist nicht nur bundesweit zu beobachten, sondern auch in Berlin. Der NABU Berlin berichtete mit Hinweis auf die Zählung im Januar zur „Stunde der Wintervögel„ einen Rückgang um 46 %. Moderne Gebäude bieten oft weniger Brutplätze als historische Hof- und Wirtschaftsgebäude, und auch das Nahrungsangebot hat vielerorts abgenommen. Heute steht das restaurierte Haus vor allem im Dienst des Artenschutzes und bietet kleineren Vogelarten zusätzliche Nistmöglichkeiten.

Mit dem restaurierten Vogelhaus setzt die Domäne Dahlem deshalb ein kleines aber sichtbares Zeichen für den Artenschutz. Die rasche Besiedlung durch die Stare zeigt, wie wichtig solche Strukturen für die heimische Vogelwelt sind. Vielleicht werden in Zukunft auch zahlreiche Spatzen das karminrote Häuschen für sich entdecken – und damit das Vogelhaus wieder zu dem machen, was es seit jeher war: ein Zuhause mitten auf der Domäne.
Gastbeitrag von Andreas Richter, Projektmanager