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Blogartikel
14. September 2026

Neues Zuhause: Ein Jungeber zieht in den Zoo Schwerin

© Domäne Dahlem / Marlen Stahlhuth / MADWOMEN
2026-09-14

Im August gab es auf der Domäne Dahlem einen etwas ungewöhnlichen Anblick: Einer unserer Jungeber der Rasse Deutsches Sattelschwein wurde mit einem Fahrzeug des Schweriner Zoos abgeholt.

Das Deutsche Sattelschwein ist eine bedrohte Haustierrasse, die besonders gut an den Schlappohren und dem weißen „Sattel“ auf der schwarzen Haut erkannt werden kann. Dabei ist es ganz unterschiedlich, ob der Sattel sich nur über die Schultern zieht oder auch Bauch und Rücken einnimmt.

Die Domäne Dahlem ist Mitglied der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH). Die GEH hat sich zum Ziel gesetzt, gefährdete Haus- und Nutztierrassen in Deutschland zu erhalten. Zu diesem Zweck wird eine rote Liste geführt, die den Grad der Gefährdung verschiedener Arten sowie deren Bestand zeigt. Als Mitglied der GEH gibt es außerdem die Möglichkeit, zum Arche-Hof ernannt zu werden. Dieser Titel ist mit streng kontrollierten Auflagen verbunden; hauptsächlich müssen bedrohte Haustierrassen gehalten, gezüchtet und für die Landwirtschaft genutzt werden. Dabei ist auch der Austausch mit anderen Züchtern sehr wichtig, um trotz des kleinen Genpools Inzucht zu vermeiden.

Die Domäne Dahlem ist ein solcher Arche-Hof. Um also zu vermeiden, dass die jungen Eber ihre Schwestern decken, werden sie als Zuchttier an andere Züchter abgegeben oder geschlachtet. Auch das ist ein Teil der Arterhaltung.

Im Zoo Schwerin werden ebenfalls bedrohte Haustierrassen gehalten, namentlich die Schraubenhörnige Bulgarische Langhaarziege, das Deutsche Sattelschwein, das Pommersche Landschaf und das Mechelner Huhn. Unser Jungeber wird dort zum Zuchttier und so helfen, seine Rasse weiter zu erhalten.

Warum ist das Deutsche Sattelschwein bedroht?

In der Nachkriegszeit war das Essen knapp, deshalb wurden robuste Nutztiere mit fettem Fleisch geschätzt. Mit der Zeit änderten sich aber die Verzehrgewohnheiten: Die Menschen arbeiteten zunehmend in Büros statt in körperlich anstrengenden Berufen und in der Landwirtschaft wurden mehr Maschinen eingesetzt. Als die Wirtschaft sich erholte und der Wohlstand stieg, gab es bald wieder genug Nahrung für alle. So kehrte sich das Problem um: Übergewicht wurde zur Volkskrankheit. Mit der Nahrung wurden mehr Kalorien aufgenommen, als durch körperliche Tätigkeit verbraucht werden konnte. Trotz der wachsenden Zuckerindustrie wurde hauptsächlich fetthaltige Nahrung verantwortlich gemacht. Gefragt waren magere Produkte, die ohne Sorge um Übergewicht verzehrt werden konnten. Fette Schweine waren nicht mehr gefragt.  

In der DDR wurde das Deutsche Sattelschwein aufgrund der geringen Anzahl an Tieren als Genreserve unterstützt. Mit der Wiedervereinigung wurden Hochleistungsrassen aber zunehmend lukrativer, da sie mehr Fleisch und weniger Fett pro Tier liefern. Die alten Rassen verloren somit an Bedeutung und der Bestand blieb gering.

Kriterien eines Arche-Hofs

Die GEH führt für die Arbeit eines Arche-Hofs einen detaillierten Kriterienkatalog. Die bedrohten Arten sollen nicht nur erhalten, sondern auch für ihre ursprüngliche Rolle in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Auf der Domäne Dahlem wird beispielsweise das Rote Höhenvieh als Zugtier ausgebildet. Außerdem sollen die Tiere möglichst artgerecht gehalten und mit Futtermitteln weitgehend aus eigenem und regionalem Anbau gefüttert werden. Gentechnik ist verboten.  

Als Arche-Hof ist es auch unsere Aufgabe, Besucher:innen über unsere Arbeit und die Facetten der Arterhaltung zu informieren und Einblicke zu verschaffen. Unser Landgut kann besucht werden, Guides geben informative Führungen zur nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft, und wir zeigen auf, wie die Lebensläufe unserer Tiere aussehen – zum Beispiel in diesem Blog.