„Es war eine richtig feste Verbindung unter uns, die alle unterschiedlichsten Parteien angehörten, aber auf dem Gebiet völlig einig waren: Diese Domäne muss in jedem Fall gerettet werden.“
– Prof. Dr. Dieter Großklaus im Interview mit Anke Otto und Philipp Holt über die Gründung des Vereins „Freunde der Domäne Dahlem“
Das Freilichtmuseum Domäne Dahlem führt aktuell eine Reihe an Zeitzeug:inneninterviews durch. Im Mittelpunkt steht die wechselhafte Geschichte der Domäne Dahlem, die durch die vielfältigen biografischen Erzählungen lebendig wird. Interessierten werden die Interviews auf verschiedenen Wegen zugänglich gemacht. Aktueller Fokus des Interviewprojekts ist die Geschichte und Gegenwart des Vereins „Freunde der Domäne Dahlem“, der nächstes Jahr sein 50. Jubiläum feiert.
Die Gründung des Vereins „Freunde der Domäne Dahlem“
33 Personen trafen sich am 7. Oktober 1976 zur Gründungsversammlung des Vereins auf der Domäne Dahlem. Nachdem der Berliner Senat beschlossen hatte, den Betrieb der letzten landwirtschaftlichen Stadtgüter zum Ende des Jahres 1976 einzustellen, sahen erste Pläne des Senats vor, das Land als Standort für ein Sportzentrum der Freien Universität Berlin zu nutzen. Der Verein setzte sich für den Erhalt des Domänengeländes ein, veranstaltete Marktfeste und verhandelte mit dem Senat und der Freien Universität über die Nutzung des Geländes. In den kommenden Jahren leiteten die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins die Geschicke der Domäne und sorgten dafür, dass sich die Domäne Dahlem als Freilichtmuseum, Landgut und Veranstaltungsort etablierte.
1995 ging die Domäne Dahlem in die Trägerschaft der neugegründeten Stiftung Stadtmuseum über – der Verein ging in einen Förderverein über und blieb es auch, als die Domäne Dahlem 2009 eine eigene Stiftung wurde. Das Engagement der Vereinsmitglieder – ob im Ehrenamt oder in Form finanzieller Unterstützung – ist bis heute ungebrochen groß und unverzichtbar für den Betrieb der Domäne.

Durchführung der Interviews
2025 führten wir gemeinsam mit dem Verein bereits zwei Interviews mit Gründungsmitgliedern des Vereins. Am 23. Juli besuchte Dr. Uwe Lehmann-Brauns die Ausstellungsräume im Culinarium, in denen wir ein kleines Filmstudio eingerichtet hatten. Eine Dreiviertelstunde berichtete der Jurist über seine politische Arbeit in der Bezirkspolitik als Ortsvorsteher der CDU Dahlem und seine spätere Tätigkeit im Berliner Abgeordnetenhaus. Als kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion beteiligte er sich an den hitzigen Debatten um die Bebauungspläne des Dahlemer Feldes. Bis heute kommt er mit seinen Enkelkindern zur Domäne Dahlem.
Prof. Dr. Dieter Großklaus kam am 2. September zu uns und sprach mehr als eine Stunde über seine Verbindung zur Domäne Dahlem. Bereits Anfang der 1950er Jahre kam er als Student der Veterinärmedizin nach Dahlem, nachdem er gemeinsam mit zahlreichen weiteren Studierenden und Professoren die Humboldt-Universität in Ost-Berlin verlassen hatte. In den Stallungen und im Herrenhaus der Domäne Dahlem zogen Fakultäten des neugegründeten Instituts für Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin ein. Nach seiner Promotion 1955 arbeitete Großklaus als Tiermediziner und war seit 1962 beim Bundesgesundheitsamt, dessen Präsident er 1985 wurde. Dieses Jahr feierte er seinen 95. Geburtstag im Landgasthaus der Domäne Dahlem.

Interviews als Quellen und Sammlungsobjekt
Die Interviews werden nach der Methode der Oral History geführt: Die interviewte Person hält ein lebensgeschichtliches Interview und erzählt möglichst ununterbrochen die eigene Geschichte. Solche Erinnerungen von Zeitzeug:innen sind wichtige mündliche Quellen, die uns helfen, historische Ereignisse auf einer individuellen Ebene erfahrbar zu machen.
Eine Kernaufgabe von Museen ist das Bewahren und Dokumentieren – nicht nur von Objekten, sondern auch von Wissen. Damit sind Zeitzeug:innen-Interviews, die die Geschichte der Domäne Dahlem zum Gegenstand haben oder die Geschichte der Landwirtschaft und Ernährungskultur behandeln, wichtiger Teil unserer musealen Sammlung.
Bereits in den 1990er Jahren wurden durch Mitarbeitende der Domäne Dahlem insgesamt etwa 80 Interviews geführt. Die Erzählungen behandeln die Geschichte der Domäne ab den 1920er Jahren bis in die 1990er Jahre und enthalten wertvolle Informationen zur Geschichte der Domäne als staatlicher Vorzugsmilchbetrieb, in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Stadtgut bis 1976 und auch bereits zur Gründung des Vereins „Freunde der Domäne Dahlem“.
Die Interviews wurden im Rahmen der Recherchen zur Sonderausstellung „SAMMLUNG DOMÄNE DAHLEM. Geschichten und Objekte“, die bis August 2025 im Herrenhaus zu sehen war, wiederentdeckt, nachdem sie lange Zeit unbeachtet und weitgehend unbekannt in der Sammlung schlummerten. Wir sichten, erfassen und digitalisieren aktuell den Bestand, der vor fast 30 Jahren noch auf Kassetten und Mini-DVs festgehalten wurde.

Ausstellen – Online und vor Ort
Natürlich ist nicht nur das Sammeln und Bewahren Kernaufgabe unseres Museums, sondern ebenso das Forschen und Vermitteln. Die Interviews werden in ganzer Länge im Interview-Portal Oral-History.Digital veröffentlicht und stehen dort Forschenden und Interessierten aus Bildung und Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Portal bietet Museen und anderen Einrichtung eine Plattform, um Video- und Audiointerviews hochzuladen, zu transkribieren, zu ordnen und zu präsentieren.
Die auf der Domäne Dahlem geführten Interviews werden einer breiten Öffentlichkeit zur Jubiläumsfeier 2026 im Rahmen einer Sonderausstellung im Herrenhaus gezeigt. Viele weitere Interviews sind bereits in Planung und werden in Kürze folgen – wir halten Sie auf dem Laufenden.
Gastbeitrag von Philipp Holt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum