Schuberts Winterreise ist ein ungeheuer ergreifendes Werk. Aus den Lebenserinnerungen von Josef von Spaum wissen wir, dass diese Lieder Erschrecken und Unbehagen auslösten, als Schubert sie das erste Mal für seine engsten Freunde spielte und sang.
Ein Jahr vor seinem Tod schreibt Franz Schubert 1827 „Die Winterreise“, einen Zyklus von schauerlichen Liedern“, die ihn sehr angegriffen haben und die in ihrer schmerzlichen Tragik ganz unmittelbar die Persönlichkeit Schuberts zeigen. Schubert bezeichnet sich als „den unglücklichsten, elendsten Menschen auf der Welt“, der über seine Musik sagte: „Wollt ich Liebe singen, ward sie mir zum Schmerz, und wollt ich Schmerz singen, ward er mir zur Liebe. So zerteilte mich die Liebe und der Schmerz.“
Während Ludwig van Beethoven die in seinen Werken gestalteten Konflikte einer optimistischen Lösung zuführen konnte, bleiben bei Schubert die Gegensätze in ihrer Unvereinbarkeit von Kunst und Leben. Die Sehnsucht nach einem glücklichen Leben und die Verzweiflung über die miserable Wirklichkeit finden in dem Liederzyklus zur schmerzlichen Resignation.
In 24 Liedern sieht Schubert im Schicksal des durch die erstarrte, trostlose Winterlandschaft wandernden, um sein Liebes- und Lebensglück betrogenen Müllerburschen mehr als nur ein individuelles Schicksal. Hier wird das Grunderlebnis einer ganzen Generation zum Ausdruck gebracht, die verzweifelt an der Unlösbarkeit der in der Klassik entwickelten Ideale von einer brüderlichen, friedlichen Gemeinschaft als Grundbedingung für die Entfaltung der einzelnen Persönlichkeit.
Grillparzers berühmter Nachruf - „Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen“ - war zwar einem Genie angemessen, aber auch typisch für eine Zeit, die nicht zu erkennen vermochte, dass der Genius dieses Komponisten längst zur Reife gelangt war und dass das Vermächtnis seiner letzten Lebensjahre ihm einen Platz unter den größten Meistern der Musik sichert.
Eintritt: 12,- / 8,- EUR (telefonische Vorbestellung empfohlen)
Reservierungen bitte telefonisch unter Tel.: 66 63 00 - 0 oder per Fax an 66 63 00 20
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