Provenienzforschung

Das Projekt untersucht die Provenienz des als „Armbruster-Sammlung“ bekannten Bestands von bienenkundlichen Objekten, der heute zum Sammlungsbestand der Stiftung Domäne Dahlem – Landgut und Museum gehört.

Die ursprüngliche Sammlung wurde 1923 am Institut für Bienenkunde in Berlin Dahlem, durch dessen ersten Direktor, den Wissenschaftler Ludwig Armbruster, begründet. Er wurde 1934 mit nur 47 Jahren nach Paragraph 6 des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ von den Nationalsozialisten zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Die Gründe für diese politisch motivierte Absetzung des Lehrstuhlinhabers Armbruster lassen sich unter anderem in seinem regimekritischen Verhalten finden: Er protestierte gegen die „Braunhemden“ an der Universität, arbeitete mit Bienenforschern in Palästina zusammen und unterstützte jüdische Emigranten bei der Ausreise. Die Sammlung, laut Armbruster die „größte Sammlung von exotischen und historischen Bienenwohnungen der Welt“, verblieb nach 1934 am Dahlemer Institut und wurde von seinem Nachfolger, dem SS-Ahnenerbe-Mitglied Werner Ulrich, fortgeführt. Armbruster reklamierte zeitlebens Teile der Sammlung als sein Eigentum.

Den Anstoß zum Projekt gaben Objekte, die unter der Leitung Ulrichs in die Sammlung kamen. Ihr Zugang lässt sich direkt mit einem Aufruf von Erich Miethke, einem Mitarbeiter Ulrichs, in Verbindung bringen. Dieser rief im Kurmärkischen Imker von 1940 als „Gefreiter Miethke“ seine „Imkerkameraden“ dazu auf, im Felde Bienenbeuten und imkerliche Gerätschaften zu sammeln, „insbesondere Material aus allen besetzten Gebieten wie Norwegen, Belgien, Holland, Frankreich, Polen“. Er selbst habe in Polen, aber auch in Frankreich „in zerstörten Ständen oder im Trümmerschutt der Häuser manch originellen Korb und Gerät“ gefunden und nach Berlin versandt. Zur Bereicherung ihrer Sammlungen waren bekanntlich auch naturwissenschaftliche Museen und Institute bereit, sich an den Raub- und Beutezügen der Nationalsozialisten zu beteiligen. Es stellen sich folgende Fragen: Welche Objekte stammen aus der Ursprungssammlung von Ludwig Armbruster und wurden sie ihm 1934, als einem „Gegner des Naziregimes“, NS- verfolgungsbedingt entzogen? Woher stammten die Objekte, die nach 1934 an das Institut für Bienenkunde gelangten? Unter welchen Bedingungen wurden sie Bestandteil der Sammlung? Gab es einen Sammlungsauftrag Ulrichs?

Zu einer ethisch verantwortungsvollen Präsentation der „Armbruster-Sammlung“ – das verdeutlicht der obige Fragekomplex – gehört also nicht nur die beeindruckende Biografie Ludwig Armbrusters, sondern auch, dass Herkunft und Umstände des Erwerbs der Sammlungsobjekte untersucht und beleuchtet werden müssen.

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