Kulturelle Bildung und gesellschaftliche Verantwortung im Freilichtmuseum - Jahrestagung der Fachgruppe der Freilichtmuseen im Deutschen Museumsbund

Vom 25. bis 27. September 2016 fand in der Stiftung Domäne Dahlem – Landgut und Museum im neu eröffneten CULINARIUM die Jahrestagung der Fachgruppe Freilichtmuseen statt. Das Tagungsthema lautete „Kulturelle Bildung und gesellschaftliche Verantwortung im Freilichtmuseum“. 55 Teilnehmer/innen aus 28 Museen, auch aus Österreich, der Schweiz und aus Italien (Südtirol) besuchten die Berliner Tagung.

Kulturelle Bildung ist in den letzten Jahren verstärkt zum Gradmesser der Leistung eines Museums gegenüber der Öffentlichkeit und gegenüber den Trägern und Geldgebern geworden. Dabei sind entsprechende strategische Museumsziele und die Wertschätzung der Museumspädagogik durch die Museumsleitung ebenso wichtig wie die operative Umsetzung der Bildungsangebote durch qualifiziertes, engagiertes pädagogische Personal. Es wurden Fragen zur Aufgabe der Freilichtmuseen gestellt: Wie nehmen Freilichtmuseen die ihnen zukommende gesellschaftliche Verantwortung wahr und wie können sie als kultureller Bildungsträger individuelle Bildungsbedürfnisse erfüllen? Inwieweit sind sie Impulsgeber für Gegenwarts- und Zukunftsfragen? Welche besonderen Expertisen und Chancen haben Freilichtmuseen in diesem Bereich und wo liegen die Herausforderungen? Die seit 2015 stark anwachsende Zahl an Flüchtlingen ist ein weiterer Anlass, sich über Grenzen und Möglichkeiten der Integration durch kulturelle Arbeit im Freilichtmuseum auszutauschen.

Das Impulsreferat zum ersten Themenblock „Kulturelle Bildung“ hielt Tobias Nettke, Professor für Theorie und Praxis der Bildung und Vermittlung in Museen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Sein Vortrag über „Partizipative Ansätze der kulturellen Bildung in Museen. Anforderungen, Modelle und praktische Beispiele“ zeigte beeindruckende Beispiele aus der Praxis anderer Museumsgattungen. In den folgenden Beiträgen zur „Kulturellen Bildung“ verdeutlichte Gefion Apel vom LWL-Freilichtmuseum Detmold die Möglichkeiten der Teilhabe im Bereich der ökologischen Kulturvermittlung anhand ihres Vortrags „Ökologische Zivilisierung und nachhaltiges Handeln“. Beate Lohner vom Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern berichtete über „Ein Haus zum Hören, Fühlen und Begreifen“ mit dem Beispiel einer gelungenen inklusiven Kulturvermittlung in einem historischen Museumsgebäude. Stefanie Wiens, die sehr erfolgreich in Berlin das inklusive Museumsprojekt „Neue Perspektiven gewinnen“ abgeschlossen hatte, ermunterte die Teilnehmer in ihrem Vortrag „Sprechende Kissen und Lichtschalter - Methoden zur Gestaltung inklusiver Lernkontexte“ dazu, Inklusion zu wagen. Aus dem Schweizer Freilichtmuseum Ballenberg kam das Beispiel „Gegenwart und Geschichte beim Ausstellen und Vermitteln verbinden“. Susanne Kudorfer gelang es dabei, die regionalen Fesseln kultureller Bildungsarbeit zu sprengen und den Ansatz der Bildungsarbeit eng zu vernetzen mit Ausstellungen, einem Themenjahr und der Kommunikationspolitik des Hauses.

Am Nachmittag begann der zweite Themenblock „Gesellschaftliche Verantwortung im Freilichtmuseum“ mit einem weiteren Impulsvortrag. Patrick S. Föhl, vom Netzwerk Kulturberatung Berlin sprach über „Museen als (potenzielle) Ankerpunkte in der Gesellschaft“. Insbesondere der Grundgedanke des „Ankers“, der Museen und deren unterschiedlichen Kompetenzen zu Gunsten aller miteinander vernetzen kann, wurde während der Tagung von den Freilichtmuseen weiterdiskutiert. In den folgenden Vorträgen wurde in mehreren Beiträgen die gesellschaftliche Relevanz von Freilichtmuseen hinterfragt. Zwei Workshops mit den Schwerpunkten „Integration, Inklusion und Partizipation in der museumspädagogischen Praxis“ sowie „Strategische Zielsetzung, Finanzierung und Verankerung im Museumsalltag“ traf sich die Teilnehmer/innen.

Abschließend fand die Mitgliederversammlung statt, die die Einladung zur nächsten Jahrestagung vom 17.9. – 19.9.2017 ins Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim mit Unterstützung der bayerischen Landesstelle für nichtstaatliche Museen in München gerne annahm. Tagungsthema lautet: „Architekturobjekte und mobile Sammlungen: Zum Umgang mit gefährdeten und gefährlichen Beständen.“ Für 2018 steht bereits das Freilichtmuseum Beuren als Gastgeber bereit, für 2019 hat sich das LVR-Freilichtmuseum Lindlar angeboten.

Peter Lummel / Jan Carstensen

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