Historische Nutzpflanzen

Erhalten, Bewahren, Vermitteln – Historische Nutzpflanzen im Blickpunkt

Die Sortenvielfalt unserer Obst- und Gemüseprodukte ist in der heutigen Zeit immens bedroht. Oft sind alte Sorten nur in Genbanken, Sammlungen oder gar nur noch in Privatgärten erhalten. Der langfristige Erhalt alter Kultursorten ist keineswegs gesichert, da die wenigen Sammlungen im Zuge von Sparmaßnahmen rasch aufgelöst werden können. Oft mangelt es aus finanziellen Gründen an wissenschaftlicher Betreuung vor Ort. Der Verlust alter Kultursorten hat vor allem im Gemüsebaubereich rechtliche Gründe. So unterliegt unser Saatgut strengen rechtlichen Auflagen, welche Qualitätskriterien wie Keimfähigkeit, Reinheit und Gesundheit beinhalten. Eine amtliche Zulassung ist Voraussetzung um überhaupt Saatgut in Umlauf bringen zu können. Viele der alten Kultursorten können nach diesem geltenden Recht keine Zulassung bekommen, weil sie die Anforderungen, insbesondere nach Homogenität, nicht erfüllen können. Kosten für Zulassungsverfahren stehen zudem in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Bedeutung dieser alten Sorten.

Auf dieses Thema nahm das Domäne Projekt „Erhalten, Bewahren, Vermitteln – Historische Nutzpflanzen im Blickpunkt“ Bezug, welches im Oktober 2008 begann und im Oktober 2011 endete. Im Rahmen dieses Projektes wurde 2009 ein Schaugarten mit alten Beerenobst- und Gemüsesorten angelegt. Mit diesem Garten entstand eine Bildungsstätte zur Präsentation und Erhaltung aus dem heutigen Verkaufssortiment längst verschwundener Obst- und Gemüseprodukte. Gleichzeitig wurde eine künftige Marktfähigkeit überprüft. Unsere Besucher konnten mit Hilfe von Infotafeln sowie im Rahmen von Führungen und museumspädagogischen Projekten Informationen über Ursprung, Herkunft und Züchtungsgeschichte unserer heutigen Nutzpflanzen erhalten.

Der Erhalt seltener Sorten erfolgt oft nur durch Austausch im privaten Bereich und seit einiger Zeit vor allem durch Initiativen wie der Dreschflegel e.V., Samenbau Nordost, VENVERN e.V., oder Arche Noah, ohne die so manche Sorten längst aus den Gärten und Betrieben verschwunden wären. Weitere Gründe für den Sortenverlust sind vor allem auch veränderte Ansprüche als sich Sorten immer mehr von Selbstversorgersorten zu Handelssorten wandelten. Guter Geschmack musste meist zu Gunsten von Transportfähigkeit, Gleichförmigkeit, ansprechendem, langem gutem Aussehen im Verkaufsregal weichen. Der Trend zur bewussten Ernährung seitens der Verbraucher hingegen stellt immer neue Anforderungen an den Bioanbau und an neuere Züchtungen. Alte Sorten können dafür wertvolles Material sein.

Um die genetische Vielfalt zu bewahren und unsere Kulturlandschaft zu erhalten, sind innovative Ideen gefragt. Die Projektidee sowie unser Hofladen können dem Vergessen entschieden entgegenwirken. Vielfalt und Geschmack kehren vielleicht bald wieder über den Hofladen und vor allem auch über das Bewusstsein unserer Besucher, die sich entscheiden die eine oder andere Sorte in ihren privaten Gärten zu erhalten, auf den Teller zurück.

Das Projekt „Erhalten, Bewahren Vermitteln- Historische Nutzpflanzen im Blickpunkt“ wurde von einer gartenbaulichen Fachkraft geplant, ausgeführt und betreut. Die Fläche für das Projekt befand sich im ersten Schlag des 1,5 ha großen Gartenbaubereichs der Domäne Dahlem auf einer Größe von etwa 200 Quadratmetern. Zu Marktfesten wurde der Schaugarten unter anderem betreut von unserer Ehrenamtlichengruppe „Ökologie erleben“. Besucher konnten sich an den Historischen Gemüsesorten erfreuen und einiges davon auch versuchen.

Von den im Schaugarten angebauten Sorten fanden einige den Weg ins Domäne Hofladensortiment, wie z.B. die süß-aromatische Duwicker Möhre, eine kreiselförmige, hellorange Gelbe Rübe von 1858, die würzige flache Speisezwiebel Dresdener Plattrunde von 1850 oder der knackige Bunte Forelle Salat, der sich bereits 1893 beim königlich preußischen Hoflieferant Heinemann im Sortiment befand.

Die Domäne Dahlem setzt auf alte Sorten, sodass die Projektidee im Sortiment unseres Hofladens weiterleben wird. Die rund 20 alten Gemüse- und Beerenobstsorten, die sich die letzten Jahre im Rahmen des Projektes bewährt haben, werden auch weiterhin angebaut und im Hofladen zum Verkauf angeboten. 

Wir danken Jens Schneidereit für die Durchführung, unserer Gruppe „Ökologie erleben“ für die Betreuung 

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