Die Geschichte Dahlems und seiner Domäne

Bis zum heutigen Tag erlebt man in Dahlem den im Mittelalter angelegten Dorfanger mit Dorfkern, Gutshof und Feldflur im Landschaftsbild als authentische Einheit. Seit über 800 Jahren wird auf dem Gelände des heutigen Freilichtmuseums Domäne Dahlem mit den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden und Landarbeiterhäusern kontinuierlich Landwirtschaft betrieben. Von den einst 542 Hektar großen Feldfluren der Domäne Dahlem hat sich heute eine 18,3 Hektar große unter Denkmalschutz stehende Fläche erhalten, von der gegenwärtig 16,5 Hektar genutzt werden. Als Ort der Versorgung der Großstadtmetropole Berlin mit Lebensmitteln hat die Domäne Dahlem Landwirtschaftsgeschichte geschrieben. Auf dem Gutshof stehen mehrere architektonische bedeutsame Gebäude von 1560 bis in die jüngere Vergangenheit, die aus drei historischen Zeitepochen stammen. Das HERRENHAUS von 1560 ist mit den originalen Räumlichkeiten heute neben dem ehemaligen PFERDESTALL von 1830 mit dem heutigen CULINARIUM ein zentrales Ausstellungsgebäude der Domäne Dahlem. Heute befindet sich auf dem Areal des ehemaligen Rittergutes und der späteren preußischen Domäne das Freilichtmuseum für Agrar- und Ernährungskultur mit ökologischem Schwerpunkt.

Die Anfänge

vor 1200 Nahe dem heutigen Dorfkern existierte vermutlich die slawische Siedlung PECHÜLE, wie Grabungsfunde sowie eine Hakenpflugspur unter dem Herrenhaus nahelegen.

um 1220 Gründung Dahlems (auch Dalm, Dalim, Dalem, vermutlich niederdeutsch THALHEIM) im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung als ANGERDORF, das sich in der Struktur bis heute erhalten hat. Eine Gründungsurkunde existiert nicht, aber ungewöhnliche Patronatsrechte legen eine Zeitspanne zwischen 1215 und 1225 nahe.

1375 Erste urkundliche Erwähnung Dahlems im sogenannten Landbuch Kaiser Karls IV.

1450/51 Dem Schoßregister, ein für Sondersteuern erhobenes Verzeichnis, ist zu entnehmen, dass es in Dahlem einen Ritterhof mit einer Gesamtfläche von 52 Hufen (390 Hektar) unter dem Besitzer Otto von Milow gab.

1484 Die Brüder Friedrich Heinrich und Peter von Spiel werden vom Kurfürsten von Brandenburg mit Dahlem belehnt, unter denen die ritterliche Gutsherrschaft ausgebaut und der Anteil bäuerlichen Eigentums gesenkt wurde.

1560 Das HERRENHAUS wird als zweigeschossiger, repräsentativer Fachwerkhau errichtet, von dem sich bis heute u.a. die Kapelle mit dem eindrucksvollen Sternrippengewölbe und der geräumige Keller erhalten haben.

Renaissance

Auf der Hofansicht ist die Hauptseite des HERRENHAUSES mit Haupteingang und einer Außentreppe ins Obergeschoss dargestellt.

1652 Im 30jährigen Krieg (1618-1648) wird Dahlem schwer verwüstet. Ein Bauer lebt noch im Dorf.

1655 Hoch verschuldet verkaufen die Brüder Hans Heinrich und Adam Friedrich von Spiel das Gut in Dahlem. Im Wert von 3.300 Taler geht das Dorf an den Generalwachtmeister Georg Adam von Pfuel, der mit Baumaßnahmen am beschädigten Gutshaus beginnt und das Fachwerk aufmauern lässt.

Barock

Das Fachwerk wird nicht abgetragen jedoch durch Steinmauern ersetzt. Nach dem Umbau ändert sich die Größe und Form des Hauses nur geringfügig.

1661 Georg Adam von Pfuel veräußert das Rittergut an seinen Neffen, den späteren Cuno Hans von Wilmerstorff, der das Gutshaus umbauen lässt.

Das HERRENHAUS wird nach Westen verlängert und das bisherige reine Zweckgebäude entwickelt sich zum bescheidenen Prunkbau mit repräsentativen Räumen und ornamentierten Stuckdecken sowie einem schlossartigem Mitteleingang auf der Hofseite. Über dem Eingang wird das Allianzwappen mit den Insignien der Erbauer Cuno Hans von Wilmerstorff und Katharina Elisabeth von Hake mit der Jahreszahl 1680 angebracht. Zur Ergänzung der beiden großen Festräume folgt eine Errichtung eines großen Küchenbaus nach Süden zum Anger hin, in dem sich heute der historische KAUFMANNSLADEN befindet. Nach der Restaurierung und Erneuerung des Dachstuhls wird die benachbarte St.-Annen-Kirche 1679 mit der vom Patron Cuno Hans und seiner Frau Katharina Elisabeth gestifteten Kanzel eingeweiht.

1707/08 Cuno Hans von Willmerstorff lässt eine Windmühle am Rande des Dorfes errichten.

1709 Auf dem Anger wird ein EISKELLER ZUR LAGERUNG von Lebensmitteln angelegt.

1799 Der Enkel Leopold Heinrich von Willmerstorff muss aus wirtschaftlichen Gründen Dahlem „… und das Gut Schmargendorf nebst Pertinenz, Recht und Gerechtigkeit, Vieh, Feld und Acker, Inventarien, Vorräten und Mobilien …, auch alles, was erd-, wand-, band-, nied- und nagelfest ist, dem Herrn Grafen Friedrich Heinrich von Podewils für ein in Bausch und Bogen behandeltes Kaufgeld von 60 000 Friedrichs d’or…“ verkaufen.

um 1800 Die letzten zwei Voll- und drei Kleinbauern werden gezwungen, nach Schmargendorf umzusiedeln. Seitdem war Dahlem eine reine Gutsherrschaft.

1804 Nach dem Tod Graf Podewils erwirbt Carl Friedrich von Beyme (1765-1838) das Gut für 80.000 Taler und lässt es mit der Brennerei und Ziegelei in Steglitz von Pächtern bewirtschaften.

1830 Errichtung des PFERDESTALLS mit Stallausstellung, Schmiede, Museumsboden, Depot und Dienstwohnung.

Preußische Domäne Dahlem

1841 Nach dem Tod Beymes 1838 verkauft seine Tochter Charlotte von Gerlach das Gut für 200.000 Taler an den Preußischen Domänenfiskus. Das einstige Rittergut avancierte zum preußischen Staatsgut und erhielt den heutigen Namen Domäne Dahlem. Die KÖNIGLICHE DOMÄNE umfasste ohne Vorwerke 540 Hektar mit 1.800 Schafen und 80 Kühen.

1883 Mit der Erzeugung von Milch im großem Maßstab für die Großstadtmetropole Berlin setzt der neue Pächter Adolph Kirchner einen neuen Schwerpunkt.

1895 In Dahlem gibt es 170 Bewohner und 13 Wohnhäuser.

1901 Auf persönlichen Geheiß Wilhelms II. begann die KÖNIGLICHE KOMMISSION ZUR AUFTEILUNG DER DOMÄNE DAHLEM unter der Leitung von Dr. Hugo Thiel mit der Parzellierung Dahlems. Gutsadministrator Rudolf Zarnack steigerte die Milchwirtschaft trotz der Flächenverluste.

1905 Bau der DEPOTSCHEUNE.

1907 Errichtung der REMISE, dem heutigen LANDGASTHAUS, als Unterstand für die Traktoren.

1911 Nach der Idee von Friedrich Althoff (1839-1908) und den Denkschriften von Friedrich Schmitt-Ott und Adolf von Harnack entsteht in Dahlem ein DEUTSCHES OXFORD, das am 11. Januar mit von Harnack als Präsidenten von der KAISER-WILHELM-GESELLSCHAFT ins Leben gerufen wird.

1913 Nach der Erweiterung des Guthauses durch einem Verwaltungsflügel verbessert der Bau der Wilmersdorfer-Dahlemer Schnellbahn, die heutige U-Bahn Linie 3, die Verkehrsanbindung der Domäne durch den 1915 fertiggestellten und eingeweihten Streckenabschnitt Breitenbachplatz - Podbielskiallee - Dahlem-Dorf - Thielplatz. 

Moderne

1920 Dahlem entwickelt sich zu einem Villenvorort von Berlin. Nach der erneuten Verlängerung des HERRENHAUS nach Westen für weitere Verwaltungsgebäude ist der heutige Zustand erreicht. Im Zuge der Entwicklung von GROSS-BERLIN mit der Entstehung der STADT- UND EINHEITSGEMEINDE BERLIN wird Dahlem Stadtteil des Bezirks Zehlendorf.

1939-1945 Die Bombenangriffe hinterließen auf dem Gutshof schwere Zerstörungen an Ställen und Scheunen. Da die Domäne Dahlem zu den kriegswichtigen Betrieben gehört, werden zerstörte Gebäude wieder aufgerichtet und Zwangsarbeiter eingesetzt. Nach dem Einmarsch der Roten Armee und der Einstellung der Produktion mit der Schlachtung des gesamten Viehbestandes im April 1945 wird der Wiederaufbau erst wieder durch den neuen Verwalter Ferdinand Froeschle forciert, nachdem die Amerikaner Ende 1945 Dahlem übernommen hatten.

Berliner Stadtgut Domäne Dahlem

1948 Während der Blockade West-Berlins entscheidet sich der West-Berliner Magistrat zum Ankauf der ehemals preußischen Domäne Dahlem, die zum BERLINER STADTGUT wurde. Mit Unterstützung durch Gelder zur Umsetzung des Marshall-Plans entstehen neue moderne Wirtschaftsgebäude, für die alte Gebäude weichen mussten.

Auf dem Areal der amerikanischen Streitkräften wird ein Sendemast des Radiosenders AFN errichtet.

Nach 1950 Zu Beginn der 1950er Jahre bewirtschaften auf der Domäne Dahlem 3 Angestellte und 35 Landarbeiter rund 62 Hektar Land mit 95 Rindern und einer täglichen Milchleistung von 1.300 Litern.

1953 Errichtung des RINDERSTALLS mit MOLKEREI, der HOCHSILOS für die Tierfutterlagerung und der SCHEUNE für den Maschinenpark und den Kälberstall.

1958 Nach der formalen Eingliederung der Domäne Dahlem in die Berliner Stadtgüter liegt der Schwerpunkt weiterhin auf der Erzeugung der mehrfach auf der Internationalen Grünen Woche prämierten Vorzugsmilch, die bis 1973 mit der pferdegezogenen Milchkutsche ausgeliefert wird.

1970 Errichtung des SCHWEINESTALLS.

1976 Die letzten West-Berliner Stadtgüter Dahlem und Marienfelde werden aufgelöst.

Landgut und Museum

1976 Der Verein FREUNDE DER DOMÄNE DAHLEM e.V. konstituiert sich, um eine Bebauung des letzten Ackers der Domäne zu verhindern. Aus dem Stadtgut soll ein Landgut der Berliner und ein Ort für Volksbildung werden.

1983-1989 Das HERRENHAUS wird aufwendig restauriert und bauhistorisch untersucht. Das zunächst ehrenamtliche Projekt wird durch feste Stellen erweitert, die vom LAND BERLIN und vom Förderverein FREUNDE DER DOMÄNE DAHLEM e.V. finanziert werden.

1994 Die Domäne Dahlem wird Mitglied im Anbau-Verband Bioland. Im geänderten Flächennutzungsplan beschließt das Berliner Abgeordnetenhaus eine Nutzung des Ackers der Domäne für kulturelle Zwecke.

1995 Der Verein FREUNDE DER DOMÄNE DAHLEM e.V. übergibt die Trägerschaft an die STIFTUNG STADTMUSEUM BERLIN, die ein neues Konzept für ein modernes Freilichtmuseum entwickelt.

2002 Die Landwirtschaft des Freilichtmuseums Domäne Dahlem wird Demonstrationsbetrieb im Rahmen des neuen Bundesprogramms Ökologischer Landbau.

2009 Das LAND BERLIN und der Verein FREUNDE DER DOMÄNE DAHLEM e.V. sind die Stifter der Domäne Dahlem, die als staatlich anerkannte und selbstständige Stiftung bürgerlichen Rechts das Profil des Freilichtmuseums für Agrar- und  Ernährungskultur mit ökologischem Schwerpunkt weiter entwickelt.

2016 Mit einem eigenen Eingangsgebäude mit dem HOFLADEN, dem Umbau der historischen REMISE zum LANDGASTHAUS und der Eröffnung der Erlebnisausstellung VOM ACKER BIS ZUM TELLER im CULINARIUM,  dem ehemaligen PFERDESTALL, feierte die STIFTUNG DOMÄNE DAHLEM - LANDGUT UND MUSEUM das 40jährige Jubiläum der Domäne Dahlem.

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