Die Geschichte Dahlems und seiner Domäne

Seit etwa 800 Jahren wird auf dem Gelände des heutigen Freilandmuseums kontinuierlich Landwirtschaft betrieben. Das Herrenhaus, heute zentrales Ausstellungsgebäude der Domäne Dahlem ist ältestes Wohngebäude Berlins mit einigen intakten Räumlichkeiten aus dem Jahr 1560. Eindrucksvoll ist der mittelalterliche Dorfanger mit seinem barocken Eiskeller, die St.-Annen-Kirche aus der Gründungszeit des Dorfes Dahlem um 1220 sowie auf dem Gutshof und südlich des Angers Wirtschaftsgebäude und Landarbeiterhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Die Domäne Dahlem hat selbst lange Landwirtschaftsgeschichte geschrieben und mitgeholfen, die immer größer werdende Metropole Berlin mit Lebensmitteln, v.a. Milch zu versorgen. Heute befindet sich auf dem Kernareal des einstigen Ritterguts und der späteren preußischen Domäne das Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur mit ökologischem Schwerpunkt. Im Folgenden sind die wichtigsten Etappen der Geschichte Dahlems und seiner Domäne festgehalten.

Die Anfänge bis zum Bau des Herrenhauses

vor 1200

Nahe dem heutigen Dorfkern existiert vermutlich eine slawische Siedlung „Pechüle“, was Grabungsfunde sowie eine Hakenpflugspur unter dem Herrenhaus nahelegen (Dahlemer Bauern verwenden keine Hakenpflüge, sondern Beetpflüge)

um 1220

Gründung Dahlems (auch Dalm, Dalim, Dalem, vermutlich niederdeutsch „Talheim“) im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung. Eine Gründungsurkunde existiert nicht; ungewöhnliche Patronatsrechte legen aber eine Zeitspanne von 1215 bis 1225 nahe. Die historische Dorfstruktur als „Angerdorf“ erhält sich bis heute.

1375

Erste urkundliche Erwähnung Dahlems im sogenannten Landbuch Kaiser Karls IV.

1450/51

Im „Schoßregister“, ein für Sondersteuern erhobenes Verzeichnis, erfährt man, dass es in Dahlem einen Ritterhof gibt, der Otto von Milow gehört - Dahlem ist inzwischen Rittersitz. Die Gesamtfläche der dörflichen Feldmark wird im Schoßregister mit 52 Hufen angegeben (etwa 390 Hektar).

1484

Die Brüder Friedrich Heinrich und Peter von Spiel werden vom Kurfürsten von Brandenburg mit Dahlem belehnt. In der Folgezeit wird die ritterliche Gutsherrschaft ausgebaut, der Anteil bäuerlichen Eigentums sinkt.

1560

Ein repräsentatives, zweigeschossiges Fachwerkhaus wird errichtet, von dem sich bis heute wesentliche Teile erhalten haben, unter anderem die sogenannte Kapelle mit ihrem eindrucksvollen Sternrippengewölbe.

Das Gutshaus in der Renaissance (um 1560)

Als Herrensitz entsteht ein kleiner Fachwerkbau mit zwei Geschossen, einem recht geräumigen Keller und der sogenannten Kapelle. Intakt sind bis heute der Gewölbekeller und der feuerfeste, kapellenartige Raum. Dargestellt ist die Hofansicht. Die Hauptseite mit Haupteingang und einer Außentreppe ins Obergeschoss war die in der Zeichnung nicht gezeigte Hausseite zum Anger hin.

Der Ausbau der Rittergutsherrschaft

1652

Im 30jährigen Krieg (1618-1648) wird Dahlem schwer verwüstet, gerade noch ein Bauer lebt im Dorf.

1655

Hoch verschuldet müssen die Brüder Hans Heinrich und Adam Friedrich von Spiel in Dahlem das Gut verkaufen; für 3300 Taler geht das Dorf an den Generalwachtmeister Georg Adam von Pfuel. Er beginnt mit Baumaßnahmen am beschädigten Gutshaus und lässt das Fachwerk aufmauern.

Das Gutshaus im Barock - I (um 1650)

Das Fachwerk wird nicht abgetragen, aber doch weitgehend durch Steinmauern ersetzt. Die Größe und die Form des Hauses bleiben nach dem Umbau so bescheiden, wie sie als Fachwerk waren.

1661

Georg Adam von Pfuel veräußert das Rittergut an seinen Neffen, den späteren „Churfürstlichen Creyß Commissarius [von Teltow] Cuno Hans von Willmerstorff“, welcher das Gutshaus wesentlich umbauen lässt. 

Das Gutshaus im Barock - II (um 1680)

Nach Westen wird das Haus verlängert, aus dem bisherigen reinen Zweckgebäude wird ein bescheidener Prunkbau mit repräsentativen Räumen und ornamentierten Stuckdecken sowie einem schlossartigem Mitteleingang auf der Hofseite. Über dem Eingang werden die Wappen der Erbauer in Form eines Allianzwappens mit der Jahreszahl 1680 angebracht. Zur Ergänzung der beiden großen Festräume wird nach Süden zum Anger hin ein großer Küchenanbau errichtet, in dem sich heute der historische Kaufmannsladen des Museums befindet.

Bereits im Jahr 1679 wird die benachbarte St.-Annen-Kirche nach ihrer Restaurierung und der Erneuerung des Dachstuhls mit der vom Patron Cuno Hans und seiner Frau Katharina Elisabeth von Hake gestifteten Kanzel eingeweiht.

um 1710

Cuno Hans von Willmerstorff lässt in den Jahren 1707/08 am Rande des Dorfes eine Windmühle und im Jahr 1709 auf dem Anger einen Eiskeller zur Lagerung von Lebensmitteln errichten.

1799

Der Enkel Leopold Heinrich von Willmerstorff muss aus wirtschaftlichen Gründen Dahlem „… und das Gut Schmargendorf nebst Pertinenz, Recht und Gerechtigkeit, Vieh, Feld und Acker, Inventarien, Vorräten und Mobilien …, auch alles, was erd-, wand-, band-, nied- und nagelfest ist, dem Herrn Grafen Friedrich Heinrich von Podewils für ein in Bausch und Bogen behandeltes Kaufgeld von 60 000 Friedrichs d’or…“ verkaufen.

um 1800

Die letzten zwei Voll- und drei Kleinbauern werden gezwungen, nach Schmargendorf umzusiedeln; seitdem war Dahlem eine reine Gutsherrschaft.

1804

Graf Podewils stirbt hochbetagt. Carl Friedrich von Beyme (1765-1838), preußischer Kabinettsrat, Großkanzler, wirklicher geheimer Staatsminister, Mitglied des Staatsrates und Ehrendoktor der Berliner Universität, erwirbt das Gut für 80.000 Taler und lässt es von Pächtern bewirtschaften. Auf dem Gutsgelände entsteht eine Brennerei, in Steglitz obendrein eine Ziegelei.

Die preussische Domäne Dahlem

1841

Nach dem Tod Beymes 1838 verkauft seine Tochter Charlotte von Gerlach das Gut für 200.000 Taler an den Preußischen Domänenfiskus. Das Rittergut gab es nun nicht mehr - Dahlem ist jetzt eine „Königliche Domäne“. Das Gut umfasste ohne seine Vorwerke 540 Hektar; man hielt ca. 1800 Schafe und gut 80 Kühe.

1883

Der neue Pächter Adolph Kirchner setzt aufgrund der Nähe zur Millionenstadt Berlin einen neuen Schwerpunkt mit der Erzeugung von Milch im großen Maßstab.

1895

In Dahlem gibt es 13 Wohnhäuser und ca. 170 Bewohner.

1901

Die Pacht wird nicht verlängert. Wahrscheinlich auf Geheiß Wilhelms II. persönlich wird mit der Parzellierung Dahlems durch die „Königliche Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem“ unter der Leitung des Wirklichen Geheimen Oberregierungsrates und renommierten Professors für Landwirtschaft Dr. Hugo Thiel begonnen. Die landwirtschaftliche Betriebsleitung obliegt dem neuen Gutsadministrator Rudolf Zarnack, welcher trotz der Flächenverluste die Milchwirtschaft noch erheblich erweitert.

1911

Nach einer Idee Friedrich Althoffs (1839-1908) und gefördert durch zwei Denkschriften von Friedrich Schmitt-Ott bzw. Adolf von Harnack entsteht in Dahlem ein „deutsches Oxford“. Mit viel Pomp wird am 11. Januar die „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft“ mit von Harnack als Präsidenten ins Leben gerufen.

1913

Eine einschneidende Verbesserung der Verkehrsanbindung ist der Bau der Wilmersdorfer-Dahlemer Schnellbahn, der heutigen U-Bahn Linie 3. Nach nur zweijähriger Bauzeit wird der Streckenabschnitt Breitenbachplatz - Podbielskiallee - Dahlem-Dorf - Thielplatz (heutige Bezeichnungen) fertiggestellt und feierlich eröffnet. Das Gutshaus der Domäne wird um einen Verwaltungsflügel erweitert.

Das Gutshaus in der Moderne (seit 1913)

Dahlem wird Villenvorort von Berlin und das Herrenhaus nochmals nach Westen verlängert, umVerwaltungsräume zu schaffen. Damit ist der heutige Zustand erreicht

1920

Dahlem wird als Stadtteil des Bezirks Zehlendorf und Teil von „Groß-Berlin“.

1939-1945

Auf dem Gutshof haben die Bombenangriffe schwere Zerstörungen an Ställen und Scheunen angerichtet. Die Domäne Dahlem gehört zu den kriegswichtigen Betrieben, daher werden zerstörte Gebäude wieder aufgerichtet und Zwangsarbeiter eingesetzt. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Dahlem im April 1945 ist eine Produktion auf dem Gut nicht mehr möglich. Der Viehbestand wird vollständig weggeführt oder geschlachtet. Im Juli 1945 übernehmen die Amerikaner Dahlem. Ab Oktober liegt die Bewirtschaftung beim Verwalter Ferdinand Froeschle, der einen raschen Wiederaufbau forciert.

Das Berliner Stadtgut Domäne Dahlem

1948

Inmitten der Blockade West-Berlins entscheidet sich der West-Berliner Magistrat, die ehemals preußische Domäne aufzukaufen. Ein Teil des Areals wird von den amerikanischen Streitkräften übernommen, um dort den AFN-Radiosender zu errichten.

Nach 1950

Schon zu Beginn der 1950er Jahre bewirtschaftet die Domäne Dahlem mit drei Angestellten und 35 Landarbeitern rund 62 Hektar Land; dazu wurden 95 Rinder mit einer täglichen Milchleistung von 1300 Litern gehalten.

1958

Die Domäne Dahlem wird formal in die Berliner Stadtgüter eingegliedert. Weiterhin liegt der Schwerpunkt auf der Erzeugung der mehrfach auf der Internationalen Grünen Woche prämierten Vorzugsmilch, welche noch bis 1973 auch mit der pferdegezogenen Milchkutsche ausgeliefert wird.

1976

Die letzten West-Berliner Stadtgüter Dahlem und Marienfelde werden aufgelöst.

Landgut und Museum

1976

Um eine Bebauung des letzen Domänen-Ackers zu verhindern, konstituiert sich der „Verein der Freunde der Domäne Dahlem“. Aus dem Stadtgut soll als Stätte der Volksbildung ein Landgut der Berliner werden.

1983-1989

Aufwendige Restaurierung und bauhistorischen Untersuchung des Herrenhauses. Mittlerweile gelingt es, das zunächst rein ehrenamtliche Projekt mit festen Stellen, die vom Land Berlin und von den Freunden der Domäne Dahlem finanziert werden, auszustatten.

1994

Das Berliner Abgeordnetenhaus beschließt im geänderten Flächennutzungsplan eine Nutzung des Domänenackers für kulturelle Zwecke.

1995

Der „Verein der Freunde der Domäne Dahlem“ übergibt die Trägerschaft an die „Stiftung Stadtmuseum Berlin“. Ein neues Konzept für ein modernes und lebendiges Freilicht- und Ernährungsmuseum wird auf den Weg gebracht.

2009

Die Domäne Dahlem wird selbstständig und zur staatlich anerkannten Stiftung bürgerlichen Rechts. Stifter sind das Land Berlin und die Freunde der Domäne Dahlem e.V. Das besondere Profil als „Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur mit ökologischem Schwerpunkt“ wird nun weiter entwickelt und geschärft.

2016

Rechtzeitig zum 40-jährigen Jubiläum ist die Aufbauphase der Stiftung Domäne Dahlem abgeschlossen. Die Domäne Dahlem besitzt nun ein eigenes Eingangsgebäude, die historische Remise ist zum Landgasthaus umgebaut worden und im ehemaligen Pferdestall konnte das CULINARIUM eröffnet werden mit seiner preisgekrönte Erlebnisausstellung "Vom Acker bis zum Teller".

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